18.07.2017

Zinskommentar PH, Juli 2017

Draghi wird deutlicher

Totgesagte leben länger: Das alte Europa, lange als Krisenkontinent gehandelt, erlebt eine überraschende Renaissance, 2017 könnte gar zum „europäischen Jahr“ werden. Die irrlichternde Politik von US-Präsident Donald Trump und die konfuse Gemengelage in Großbritannien im Vorfeld der Brexit-Verhandlungen scheinen das Zusammengehörigkeitsgefühl des alten Kontinents eher zu beflügeln.

Die politischen und ökonomischen Vorzeichen jedenfalls sind gut: In Frankreich gab der Wahlerfolg von Emmanuel Macron den Startschuss für tiefgreifende Reformen; Deutschland ist ein Hort der politischen Stabilität und spielt zuverlässig seine Rolle als Konjunkturlokomotive; und Spanien kommt in Riesenschritten aus der Krise – Experten halten in diesem Jahr bis zu drei Prozent Wachstum für realistisch. Dass Italien weiter Sorgenkind bleibt und eben erst zwei regionale Banken stützen musste, gilt da eher als Schönheitsfehler.

Das sieht offenbar auch der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, so: Er äußerte sich beim geldpolitischen Forum der EZB im portugiesischen Sintra optimistisch, dass sich der Aufschwung in der Euro-Zone fortsetzen werde. Für viele Marktteilnehmer noch überraschender waren aber seine Aussagen zur Preisentwicklung. So deutete Draghi an, dass sich die Inflation in der Eurozone bald wieder in Richtung Zielmarke der EZB bewegen könnte. Faktoren, die die Inflation drückten, seien vor allem vorübergehend. Das wurde von den Märkten als Signal zur Abkehr von der lockeren Geldpolitik gewertet. In der Folge stieg der Euro, die Börsen gingen auf Talfahrt. Investoren scheinen sich zu sorgen, dass der höhere Kurs der Gemeinschaftswährung zulasten der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen geht. Bei der EZB – etwa in Person von Vizepräsident Citor Constancio – zeigte man sich über die Reaktionen überrascht. Man habe doch die bisherige Politik „total“ bestätigt.

Mehr Spielraum für die EZB

Dass es nun rasch zu einer Zinserhöhung kommt – laut Draghi wäre das eine „Normalisierung“ der Geldpolitik – , ist denn auch alles andere als ausgemacht. Wahrscheinlicher ist, dass die Notenbank das Volumen ihres Anleiheankaufprogramms sukzessive zurückfährt und damit einen sanften Einstieg in den Ausstieg aus der Politik der Geldschwemme einleitet. Ab Mitte 2019 könnte dann der Start zu einer Reihe kleinerer Zinserhöhung erfolgen. Das Signal kommt im Markt an: Draghi habe einen ersten Schritt in Richtung einer weniger lockeren Geldpolitik getan, so Marco Valli, Chefvolkswirt für Europa bei der Großbank Unicredit.

Unterdessen tragen viele Faktoren dazu bei, die Bewegungsfreiheit der EZB zu erhöhen. Da ist zum einen die US-Notenbank Fed, deren Chefin Janet Yellen an ihrem Kurs der behutsamen, schrittweisen Zinserhöhungen festhalten wird. Auch die Inflation spielt mit – auch wenn es in der Eurozone wegen gesunkener Energiepreise zuletzt einen kleinen Knick nach unten gab: Im Juni sank der Wert auf 1,3 Prozent, im April waren es noch 1,9 Prozent gewesen. Der Anstieg der deutschen Verbraucherpreise setzte sich im Juni fort. Die Inflationsrate stieg laut Statistischem Bundesamt auf 1,6 Prozent. Fürs ganze Jahr rechnet das Münchner ifo-Institut mit 1,7 Prozent – das wäre dann ebenfalls schon ziemlich in der Nähe der EZB-Wunschmarke. Zu guter Letzt stimmt auch die konjunkturelle Entwicklung optimistisch: In der Eurozone verbesserte sich die Wirtschaftsstimmung auf 111,10 Punkte –109,50 Punkte waren prognostiziert worden. Und das GfK-Konsumklima in Deutschland konnte von einem hohen Niveau aus ebenfalls noch mal zulegen, in Frankreich stiegen Verbrauchervertrauen und Konsumausgaben. Im neuesten EZB-Wirtschaftsbericht heißt es entsprechend: „Insgesamt deuten aktuelle Daten auf ein solides Wachstum im zweiten Quartal 2017 hin.“

Hypothekenkredite: Kein Grund zur Eile

In jedem Fall stehen die Zeichen also auf höhere Zinsen – die Frage ist nur, in welchem Tempo sie steigen. Weil das Inflationsrisiko überschaubar und die Konjunktur noch nicht in allen Euro-Staaten robust ist, spricht vieles für eine sehr zaghafte Anpassung. Das hätte dann auch Auswirkungen auf die Konditionen für Baukredite.

Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen, die als Benchmark für die Entwicklung der Hypothekenzinsen gelten, sind zuletzt zwar deutlich gestiegen. Im starken Wettbewerbsumfeld der baufinanzierenden Banken hat sich das aber noch nicht niedergeschlagen. Den Klassiker– ein Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung – gab es laut Biallo-Index zuletzt im Schnitt immer noch für 1,30 Prozent. Das sind zwar gut 0,2 Prozentpunkte mehr als im vergangenen Oktober, aber sogar etwas weniger als noch vor einem Jahr. Für eine längere Zinsbindung ist ein Aufschlag von durchschnittlich 0,46 (15 Jahre) bzw. 0,72 Prozentpunkten (20 Jahre) fällig – wer langfristig auf der sicheren Seite sein will, sollte hierzu ernsthafte Überlegungen anstellen.

Keinesfalls sollten sich potenzielle Hauskäufer oder Bauwillige aber von einem möglichen Zinsanstieg in Panik versetzen lassen – zumal die Immobilienpreise in vielen Regionen Höchstmarken erreicht haben. Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret sieht zwar für Deutschland insgesamt keine Immobilienblase, warnt aber: „Ich würde niemandem raten, eine Immobilie zu kaufen, nur weil die Zinsen zur Zeit so niedrig sind. Das reicht als Grund nicht aus.“ Ordentliches Objekt, passable Lage, vernünftiger Preis, solide Finanzierung: Es kommt auf ein stimmiges Gesamtpaket an – und zwar für Selbstnutzer wie für Anleger.

ist ein Unternehmen der PlanetHome Group GmbH und auf die Vermittlung von Baufinanzierungen und Ratenkrediten mit nahezu allen Banken, Versicherungen und Bausparkassen in Deutschland spezialisiert. Mit mehr als 600 Mitarbeitern an mehr als 80 Standorten in Deutschland und Österreich ist die PlanetHome Group einer der führenden Dienstleister rund um die Immobilie. In der Baufinanzierung hat PlanetHyp seit Gründung im Jahr 2000 mehr als 85.000 zufriedenen Kunden zum Eigenheim verholfen. Mit über 1 Milliarde vermittelten Darlehensvolumen in 2016 gehört PlanetHyp zu den größten unabhängigen Immobilienfinanzierern und ist mehrfach ausgezeichnet (u.a. als bester Baufinanzierer). Diese langjährige Beratungserfahrung, der Einsatz modernster Technologien sowie ein Team, das Baufinanzierung so unbürokratisch und individuell wie möglich gestaltet, macht unsere Beratungsleistung besonders erfolgreich.

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