14.03.2017

Zinsen: Politische Risiken und kaum Handlungsdruck

Vielleicht hatte sich auch Angela Merkel mehr erhofft. Die Bundeskanzlerin besucht Mitte März erstmals den neuen US-Präsidenten Donald Trump in Washington. Angesichts eines bislang unterkühlten Verhältnisses kann die deutsche Regierungschefin keine übermäßige Gastfreundlichkeit erwarten. Gut möglich, dass Trump seine Vorwürfe der Währungsmanipulation gegenüber Deutschland erneuert. So ökonomisch töricht diese Sichtweise auch sein mag – es hätte Merkel in die Karten gespielt, wenn der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) bei seinem Treffen am 9. März wenigstens einen Hinweis auf eine geldpolitische Wende gegeben hätte.

Hat er aber nicht. Europas Währungshüter halten Kurs und setzen auf den ersten Blick ihre ultralockere Geldpolitik konsequent fort. Der Leitzins bleibt weiterhin bei 0 Prozent. Banken, die ihre Liquidität bei der Zentralbank parken wollen, müssen dafür einen Strafzins von minus 0,4 Prozent bezahlen. Das Anleihekaufprogramm läuft wie geplant. Seit März 2015 kauft die EZB Staatspapiere und seit Juni 2016 zusätzlich Unternehmensanleihen, um die Finanzmärkte mit Liquidität zu versorgen, die Kreditvergabe zu stimulieren und die Inflation anzukurbeln. Im Dezember hatte EZB-Chef Mario Draghi verkündet, das Programm bis mindestens Ende dieses Jahres zu verlängern. Allerdings verringert die EZB ab April das monatliche Ankaufvolumen um 20 auf 60 Milliarden Euro.

Dabei verbessern sich zusehends die ökonomischen Fundamentaldaten und Stimmungsindikatoren in der Eurozone. Die wichtigen europäischen Einkaufsmanagerindizes signalisieren sowohl für das Verarbeitende Gewerbe als auch für den Dienstleistungssektor eine deutliche Erholung. Und auch wenn die harten Konjunkturdaten noch nicht mit der – wie etwa in Deutschland – zum Teil überraschend guten Stimmung in den Unternehmen mithalten, so ist die höhere Wirtschaftsdynamik doch unverkennbar.

Das sieht auch die EZB so – und hob ihren Ausblick für Inflation und Wachstum im Euro-Raum deutlich an. Demnach dürften die Preise im laufenden Jahr um 1,7 Prozent steigen. Bisher hatten die EZB-Volkswirte 1,3 Prozent Inflation erwartet. Der Trend könnte sich 2018 fortsetzen. Die EZB prognostiziert nun eine Teuerungsrate von 1,6 (bisher: 1,5) Prozent. Und auch das Wachstum dürfte nach den Projektionen der EZB mit 1,8 Prozent in diesem und 1,7 Prozent im kommenden Jahr etwas höher ausfallen als bislang erwartet.

Allerdings: Die Kerninflationsrate – also die Teuerung ohne die stark gestiegenen Preise für Energie und Nahrungsmittel – stagniert weiterhin. Im Februar lag sie wie schon im Januar bei nur 0,9 Prozent. Eine Diskussion über eine deutliche Straffung der Geldpolitik wird frühestens dann lauter, wenn die Kerninflation nachhaltig über die Marke von 1,1 Prozent steigt – das ist bislang nicht erkennbar. Allerdings dürfte die Diskussion über eine Reduzierung der Anleihekäufe im kommenden Jahr bereits diesen Sommer lauter werden. Höhere Leitzinsen nach dem Vorbild der USA sind aber nicht vor 2019 zu erwarten.

Ohnehin wäre der erfahrene Draghi nicht gut beraten, in der aktuellen Lage die Daumenschrauben an die Geldpolitik anzulegen. Die politischen Risiken für eine dynamische Konjunkturerholung in der Eurozone sind nicht zu unterschätzen. Die neue US-Regierung macht Hoffnung auf einen gewaltigen Wachstumsschub, von dem auch Europa profitieren könnte – doch Details seiner künftigen Wirtschafts- und Finanzpolitik bleib Trump weiterhin schuldig. Der EU drohen harte Verhandlungen mit Großbritannien – die Regierung in London wird in Kürze den „Brexit“ offiziell in Brüssel einreichen. Außerdem befindet sich die Eurozone in einem Superwahljahr: Holland, Frankreich, Italien, Deutschland – wenn es schlecht läuft, könnten populistische Fliehkräfte die Gemeinschaft weiter auseinander treiben.

Um mögliche Marktturbulenzen nicht noch zu verstärken, wird die EZB keine starke Kurskorrektur vornehmen. Die Politik des billigen Geldes wird zwar weiterhin vor allem in Deutschland kritisiert. Die Niedrigzinsen belasten die Altersvorsorge und haben die Finanzwirtschaft in Bedrängnis gebracht. Außerdem ist die Gefahr einer Fehlallokation von Kapital nicht ganz von der Hand zu weisen. Vermögensblasen an den Aktien- und auch Immobilienmärkten sind angesichts der Kurs- und Preisentwicklung in diesen Segmenten keine blanke Theorie.

Der Handlungsdruck bleibt für die EZB gering. Doch wer genau hinschaut, stellt fest, dass Europas Währungshüter fast unbemerkt ein wenig auf die geldpolitische Bremse getreten ist. Zum Jahresanfang hat die EZB die Regeln für den Ankauf von Staats- und Unternehmensanleihen verändert. Sie nimmt nun auch Anleihen in die Bilanz, deren Rendite unter dem Einlagezinssatz von -0,4 Prozent liegt. Das nutzt die Bundesbank und kauft mehr Kurzläufer. Die Restlaufzeit der Papiere ist inzwischen von durchschnittlich zwölf Jahren im Dezember auf vier Jahre im Februar gesunken. Dies könnte wiederum am langen Ende der Zinsstrukturkurve einen Anstieg der Renditen zur Folge haben. Im Klartext: Die laufende Verzinsung von 10-jährigen deutschen Staatspapieren dürfte in den kommenden Monaten steigen.

Für Eigenheimer ist das relevant. Die Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit haben für die Entwicklung von Hypothekendarlehen eine Benchmarkfunktion. Bis Ende des Jahres könnte ihre Rendite von aktuell 0,35 auf knapp 1 Prozent steigen. Das würde nicht spurlos an den weiterhin historisch sehr niedrigen Preisen für Immobilienkredite vorübergehen. Baugeld dürfte deshalb in den kommenden Monaten etwas teurer werden.

ist ein Unternehmen der PlanetHome Group GmbH und auf die Vermittlung von Baufinanzierungen und Ratenkrediten mit nahezu allen Banken, Versicherungen und Bausparkassen in Deutschland spezialisiert. Mit mehr als 600 Mitarbeitern an mehr als 80 Standorten in Deutschland und Österreich ist die PlanetHome Group einer der führenden Dienstleister rund um die Immobilie. In der Baufinanzierung hat PlanetHyp seit Gründung im Jahr 2000 mehr als 85.000 zufriedenen Kunden zum Eigenheim verholfen. Mit über 1 Milliarde vermittelten Darlehensvolumen in 2016 gehört PlanetHyp zu den größten unabhängigen Immobilienfinanzierern und ist mehrfach ausgezeichnet (u.a. als bester Baufinanzierer). Diese langjährige Beratungserfahrung, der Einsatz modernster Technologien sowie ein Team, das Baufinanzierung so unbürokratisch und individuell wie möglich gestaltet, macht unsere Beratungsleistung besonders erfolgreich.

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