21.06.2017

Zaghafter Einstieg in den Ausstieg

Selten war eine Sitzung der Europäischen Zentralbank mit mehr Spannung erwartet worden als die am 8. Juni in Tallinn. Denn die Hauptstadt von Estland, so die Lesart, könnte der Ort sein, an dem der EZB-Rat nach Jahren extrem lockerer Geldpolitik die Zinswende einläutet.

Formal blieb zunächst zwar alles beim Alten: Der Schlüsselsatz für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld bleibt bei 0,0 Prozent, wo er bereits seit März 2016 verharrt. Auch die Strafzinsen für Banken wurden nicht angetastet. Den sogenannten Einlagensatz fürs Parken überschüssiger Liquidität ließen die Notenbanker bei minus 0,4 Prozent.

Eine scheinbar geringfügige Formulierungsänderung gegenüber früheren Beschlüssen dürfte aber Raum für Diskussionen bieten: „Der EZB-Rat geht davon aus, dass die EZB-Leitzinsen für längere Zeit (...) auf ihrem aktuellen Niveau bleiben werden.“ Bei den letzten Zinsentscheidungen war immer von „ihrem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau“ die Rede. Dieser Zusatz ist jetzt entfallen. Damit signalisiert der EZB-Rat nach Ansicht vieler Experten, dass er sich wie erwartet langsam auf einen Ausstieg aus der ultra-lockeren Krisenpolitik vorbereitet.

Weiter niedrige Inflation

Die Bedingungen dafür sind günstig. So ist die Euro-Zone auch im zweiten Quartal auf Wachstumskurs. Im ersten Jahresviertel war das Bruttoinlandsprodukt mit 0,6 Prozent sogar stärker gestiegen als in den USA. Fürs ganze Jahr prognostiziert die EZB jetzt einen Wert von 1,9 Prozent. Entsprechend bewertete der EZB-Rat die konjunkturelle Lage statt als „abwärtsgerichtet“ nun schon als „weitgehend ausgeglichen“. Auch sie schätzt die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen positiver ein.

Allerdings dürfte es EZB-Präsident Mario Draghi weiter Sorge bereiten, dass sich die Inflation im Währungsraum nicht dauerhaft dem Notenbank-Ziel von knapp unter zwei Prozent nähert. Im Mai lagen die Verbraucherpreise im Euroraum nach Zahlen des europäischen Statistikamts Eurostat um 1,4 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Kerninflation ohne schwankungsanfällige Energie- und Lebensmittelpreise erreichte sogar nur 0,9 Prozent. Besonders der niedrige Ölpreis wirkt hier dämpfend. Für das laufende Jahr rechnet die Notenbank nun mit einer Teuerungsrate von 1,5 Prozent (März-Prognose: 1,7 Prozent). Auch für 2018 und 2019 senkten die Währungshüter ihre Prognose.

Ein schnelles Ende der Niedrigzinsen ist folglich nicht zu erwarten. Dafür sieht die EZB immer noch zu viele konjunkturelle Risiken im Euro-Raum. Dazu kommen einige politische Risiken wie die möglichen Neuwahlen in Italien im Herbst oder eine Zuspitzung der Kreditverhandlungen mit Griechenland. „Ein außergewöhnliches Maß an geldpolitischer Unterstützung ist immer noch nötig“, sagte Draghi.

Die EZB dürfte daher im Herbst damit beginnen, die Anleger auf den Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm vorzubereiten – und es mutmaßlich noch 2018 beenden. Aktuell steckt die Notenbank monatlich 60 Milliarden Euro in den Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen. Eine erste Leitzinserhebung ist dann aber frühestens Ende kommenden Jahres zu erwarten. Prognosen sehen für 10-jährige Bundesanleihen zum Jahresende 2017 eine Rendite von 0,7% – das wäre gegenüber Anfang Mai immerhin eine Verdoppelung.

Nach wie vor günstige Konditionen

Doch bis die Zinsen wirklich auf breiter Front steigen, dürfte es eine Weile dauern. Das gilt für Sparer, die sich noch gedulden müssen, wenn sie für ihre Einlagen attraktive regelmäßige Zuwächse erzielen wollen; das betrifft aber auch Kreditnehmer, die sich weiterhin zu äußerst günstigen Konditionen verschulden können.

Hiervon profitieren natürlich auch Bauherren und Immobilienkäufer noch einige Zeit – auch wenn die Zeichen insgesamt auf Zinsanstieg stehen. Die Konditionen für klassische Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung lagen zuletzt laut Biallo-Index im Schnitt bei 1,34 Prozent effektivem Jahreszins und damit nahe am Jahrestiefststand. Bei Top-Anbietern ließen sich auch Verträge für bis zu 0,2 Prozentpunkte weniger abschließen. Die Schwankungen waren sogar etwas geringer als in den vergangenen Monaten.

Doch auch auf mittlere Sicht steigende Zinsen können Finanzierern nichts anhaben, die sich an die wichtigsten Grundregeln halten: möglichst hoher Eigenkapitaleinsatz, möglichst langfristige Zinsbindung, möglichst hohe Tilgung – idealerweise auch unter Einsatz von Sondertilgungen, wie sie inzwischen fast alle Darlehensgeber bis zu einer Höhe von 5 Prozent der Kreditsumme pro Jahr zulassen.

Weil so die Restschuld zügig sinkt, machen sich Kreditnehmer ein Stück weit unabhängig von künftigen Marktentwicklungen – und damit auch von der Politik der Europäischen Zentralbank, deren aktuelle Nutznießer sie sind.

Zinstrend:

sehr kurzfristig (1-4 Wochen): stabil

kurzfristig (1-3 Monate): stabil

mittelfristig (4-12 Monate): leicht steigend

langfristig: steigend

ist ein Unternehmen der PlanetHome Group GmbH und auf die Vermittlung von Baufinanzierungen und Ratenkrediten mit nahezu allen Banken, Versicherungen und Bausparkassen in Deutschland spezialisiert. Mit mehr als 600 Mitarbeitern an mehr als 80 Standorten in Deutschland und Österreich ist die PlanetHome Group einer der führenden Dienstleister rund um die Immobilie. In der Baufinanzierung hat PlanetHyp seit Gründung im Jahr 2000 mehr als 85.000 zufriedenen Kunden zum Eigenheim verholfen. Mit über 1 Milliarde vermittelten Darlehensvolumen in 2016 gehört PlanetHyp zu den größten unabhängigen Immobilienfinanzierern und ist mehrfach ausgezeichnet (u.a. als bester Baufinanzierer). Diese langjährige Beratungserfahrung, der Einsatz modernster Technologien sowie ein Team, das Baufinanzierung so unbürokratisch und individuell wie möglich gestaltet, macht unsere Beratungsleistung besonders erfolgreich.

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